Herz an Handy: Mach’ mal ein bisschen langsamer!

Bildquelle: Dragonstock / fotalia.com

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Wird die Wearables-Welle 2015 so richtig ins Rollen kommen? Viele Experten und Marktbeobachter gehen derzeit davon aus. Als Beleg dient ihnen der Hype, den die Apple Watch schon vor ihrer Markteinführung ausgelöst hat. Erwartet wird sie im April – und mit der Marktmacht und dem Image des Technologieriesen aus dem kalifornischen Cupertino wird sich wohl die noch relativ neue Produktkategorie endgültig zum Trend entwickeln.

Absehbar war das gestiegene Interesse der Verbraucher und der Durchbruch auf dem Massenmarkt bereits im vergangenen Jahr. Laut einer Umfrage des koreanischen Konzerns Samsung sind 2014 allein in Deutschland rund 540.000 sogenannte Wearables – eine recht heterogene Gruppe von tragbaren Minigeräten, die Aktivitätstracker und Smartwatches ebenso umfasst wie Datenbrillen und elektronische Kleidung – über die Ladentheken gegangen. Ein Plus von sage und schreibe 180 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Alles ist messbar

Anwendung finden Wearables, die vorwiegend Daten sammeln oder an die Nutzer übermitteln, bisher meist im Fitness- oder Gesundheitsbereich. Nahezu die Hälfte aller verfügbaren Apps stammen aus diesem Segment. Den Puls messen, Schweiß analysieren, Stress erkennen und Schritte zählen – lange Zeit erlaubte die vorhandene Technik keine Herstellung von Geräten, die unzählige Funktionen auf kleinstem Raum vereinen. Jetzt sind sie verfügbar und mit ihren Sensoren, Displays und Funkmodulen extrem leistungsfähig – ohne die Nutzer, die sie am Körper tragen, im Alltag oder Sport groß zu beeinträchtigen. So existieren bereits Blutdruckmessgeräte, die per Bluetooth permanent Messergebisse zur Auswertung an Smartphones oder Tablets übertragen. Andere Miniaturgeräte werden im Ohr getragen und ermitteln dort nicht nur Puls, Körpertemperatur und Blutdruck, sondern können anhand des Geräuschs auch feststellen, das der Träger gerade einen Apfel isst. Die aufgenommene Kalorienmenge wird berechnet und zum Tagesbedarf hinzu addiert. Und Musik hören, kann man damit auch noch. Größtes Problem aktuell: Die Energieversorgung mit Akkus, die nur eine begrenzte Nutzungsdauer ermöglichen.

Warum reden wir an dieser Stelle darüber? Nun, Wearables werden künftig nicht ausschließlich zum digitalen Lifestyle des Durchschnittskonsumenten gehören. Auch im professionellen Umfeld sind zahlreiche Verwendungen vorstellbar und werden schon entwickelt. Für das Militär etwa könnte die am Körper tragbare Elektronik ein wichtiges Hilfsmittel werden. So ist es damit kein Problem, die Lebensfunktionen eines Soldaten im Einsatz zu überwachen. Mehr noch: Schon vor einiger Zeit hat der US-amerikanische Rüstungskonzern Raytheon eine Lösung für Piloten vorgestellt, die aus einem tragbaren Minicomputer, einem Display am Handgelenk und einer Art digitalem Monokel am Helm besteht. Damit können sie navigieren und erkennen, wo sich ihre Gegner aufhalten. Der Clou: Sie können damit auch alles hören und sehen, was sich um ihr Flugzeug oder Hubschrauber abspielt, selbst wenn sie sich physisch nicht im Cockpit aufhalten.

Strom aus dem Unterhemd

Zudem zeichnen sich Lösungen für das Problem der Stromversorgung ab. Gemeinsam mit Militär-Forschern der United States Naval Academy in Annapolis haben Wissenschaftler aus Philadelphia es geschafft, Energiespeicher direkt in Kleidung zu integrieren. Dazu verwandelten sie Textilfasern zu flexiblen Kondensatoren, die sich mit Strickmaschinen verarbeiten lassen.

Auch die Bundeswehr betrachtet derzeit tragfähige Lösungen, die wertvolle Unterstützung bei der Informationsgewinnung in den Einsätzen liefern kann. Im Mittelpunkt steht eine militärische App für Smartphones, mit denen die Einsatzkräfte ausgestattet werden können. Sie soll dazu dienen, relevante Informationen wie die Position und Bewegung der Einheiten und erkannte Gegner in Echtzeit an die Einsatzzentrale zu übermitteln und im Gegenzug von dort wichtige Mitteilungen zu erhalten.

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