Lösen soziale Medien die traditionellen Medien beim Nachrichtenkonsum ab?

Dr. Sascha Hölig auf der Govermedia 2015

Bildquelle: Bundeswehr

YouTube, Instagram, Twitter, Facebook: Diverse Social-Media-Formate genießen eine immer größere Aufmerksamkeit. Informationen verbreiten sich darüber rasend schnell von Nutzer zu Nutzer. Welche Lehren sind daraus für die Verbreitung gesellschaftsrelevanter Nachrichten zu ziehen? Hierzu referierte Dr. Sascha Hölig, Kommunikationswissenschaftler vom Hans-Bredow Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg, Anfang November bei der Govermedia 2015 in Strausberg.

Mündige Bürger bräuchten Schlagzeilen, um sich zu informieren, betonte Wissenschaftler Dr. Hölig und weckte damit das Interesse der versammelten Medienverantwortlichen von Landes- und Bundesbehörden. Im internationalen Vergleich sei das Bedürfnis nach Nachrichten in Deutschland enorm. Die TV-Nachrichten seien immer noch der meist genutzte Nachrichtenkanal. Doch die sozialen Netzwerke holen als Übermittler von News auf. Das liege daran, dass das Internet 2015 de facto von allen unter 19-Jährigen genutzt werde und mittlerweile auch von der Hälfte aller über 60-Jährigen.

Traditionelle Medien richten neue Formate auf Nutzer sozialer Medien aus
Was bedeutet das für den Konsum von Nachrichten? In den sozialen Netzwerken können die Nutzer ihren Nachrichteninput nach eigenen Interessen zusammenstellen. Gerade, weil die unter 19-Jährigen hier sehr präsent sind, versuchen einige traditionelle Medien seit kurzem die jungen Nutzer mit auf sie zugeschnittenen Formaten zu erreichen. Das ZDF hat heute+ etabliert, Die Zeit ging mit ze.tt an den Start und Spiegel Online setzt auf bento. All diese Formate sind in den sozialen Medien vertreten.

Nachrichten werden in sozialen Medien nur aufgeschnappt
Doch bei Twitter oder Facebook konkurrieren sie mit den persönlichen Themen der Jugendlichen, die sich oftmals durch humorvollen Inhalt auszeichnen. Nachrichten werden eher zufällig aufgeschnappt und erzielen kaum einen nachhaltigen Effekt auf diesen Kanälen. Selbst wenn die Nutzer über Facebook, Twitter & Co. auf eine Internetseite gelangen, verweilen sie dort in der Regel nur kurz. Demzufolge ist der jüngst eingeschlagene Weg der professionellen Journalismus-Anbieter laut Dr. Hölig ein wenig erfolgsversprechender Ansatz zur Bindung junger Nutzer. Umso mehr, als die Medien dabei oft auf „emotionale Softnews“ zurückgreifen, die einer ökonomischen Verwertbarkeit folgen würden und weniger einer gesellschaftspolitischen Relevanz.

Altersabhängiges Informationsbedürfnis in der Gesellschaft
Dr. Hölig spricht generell von einem altersabhängigen Informationsbedürfnis. Jugendliche seien eher auf der Suche nach Halt und klaren Antworten. Auszubildende und Studierende seien verstärkt an für sie spezifischen Themen interessiert. Mit dem Eintritt ins Berufsleben manifestiere sich dann ein breiter gefächertes Informationsbedürfnis. Dies fänden Nutzer allen Alters nach wie vor im TV. Selbst 75 Prozent der unter 19-Jährigen verfolgen das aktuelle Tagesgeschehen dort. Die traditionellen Nachrichtenanbieter würden noch heute am ehesten das Vertrauen der Nutzer genießen, zugleich spreche man ihnen die größten Kompetenzen zu. Internet und sozialen Medien als Informationsquelle begegnen alle Altersklassen eher kritisch. Das Internet stelle viel mehr das erste Mittel der Wahl dar, um einen akuten Informationsbedarf zu befriedigen.

Junge Generation ist nach wie vor an klassischen Nachrichtenangeboten interessiert
Für die Medienschaffenden in Wirtschaft wie Behörden sei es deshalb wichtig zu wissen, dass die junge Generation die sozialen Medien nicht exklusiv nutzt. Heute wie früher sei sie an Inhalten der klassischen Nachrichtenangebote interessiert. Eine aufschlussreiche Erkenntnis für die Teilnehmer der diesjährigen Govermedia. Die Veranstaltung des Zentrums Informationsarbeit Bundeswehr richtet sich einmal im Jahr an Vertreter von Landes- und Bundesbehörden, die sich mit der Behördenkommunikation im digitalen Medienumfeld befassen.

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