Zahlen, Daten, Hintergründe

Die IT-Modernisierung der Bundeswehr: HERKULES im Faktencheck

140.000 Rechner, 300.000 Telefone und 12.000 Kilometer Datenkabel quer durch Deutschland. Mit HERKULES ging 2007 eines der größten Public-Private-Partnership-Projekte in Europa an den Start. Das Ziel: die IT-Modernisierung der Bundeswehr

Bundeswehr, IBM und Siemens schlossen Ende 2006 den HERKULES-Vertrag ab, angelegt auf zehn Jahre: Die nichtmilitärische Informations- und Kommunikationstechnik der Truppe sollte erneuert und betrieben werden. Die Umsetzung übernahm die BWI Informationstechnik GmbH (BWI IT), ein gemeinsames Unternehmen von IBMSiemens und Bundeswehr. Gemeinsam mit der BWI Systeme GmbH und der BWI Services GmbH bildet die BWI Informationstechnik GmbH den BWI Leistungsverbund. Seine Mitarbeiter haben in den vergangenen Jahren unter anderem eine moderne Infrastruktur aufgebaut und eine einheitliche Softwarelandschaft in der Bundeswehr geschaffen. Bei technischen Fragen oder IT-Problemen steht den Bundeswehr-Anwendern heute 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr eine zentrale Serviceorganisation, der User Help Desk, zur Verfügung.

Wie viel hat die IT-Modernisierung gekostet? Was sagen die Anwender? Und wie steht es um die IT-Sicherheit? Erfahren Sie jetzt alle Fakten zum IT-Projekt HERKULES.

Fakt 1:

Die Modernisierung der Bundeswehr-IT liegt im Kostenrahmen

Die BWI hat die IT-Modernisierung im Rahmen des vereinbarten Budgets realisiert. Vermeintliche Mehrkosten sind nur für Leistungen entstanden, die über den HERKULES-Vertrag hinaus erbracht worden sind.

Dabei handelt es sich um Zusatzinvestitionen. Der Grund: Bei aktuell über 1.200 Liegenschaften war es vor der Ausschreibung des Vertrags unmöglich, jedes Detail und jede Anforderung genau einzuschätzen – unter anderem die Kosten für die Netzmodernisierung. Insgesamt betragen die zusätzlichen Investitionen nur 2,5 Prozent des vereinbarten Budgets über die gesamte Laufzeit von zehn Jahren.

(Zum Vergleich: Die allgemeine Teuerungsrate in Deutschland liegt von 2007 bis heute bei über 11 Prozent.) Die BWI ist hier also außerordentlich gut positioniert. Die Befürchtung eines „Milliardenfiaskos“ (Handelsblatt, 26.11.2009) trifft nicht zu. Nicht zuletzt deshalb war die BWI im Jahr 2012 Finalist beim Deutschen Project Excellence Award der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement.

Fakt 2:

Die Kosten für das IT-Projekt HERKULES sind transparent

Erstmals ist es möglich, die Kosten und den Aufwand für die durch HERKULES betriebene Bundeswehr-IT exakt zu ermitteln. Die einheitliche IT-Landschaft schafft klare Strukturen, alle Prozesse sind transparent und nachvollziehbar. Ein Novum.

Möglich macht das die Konsolidierung durch das HERKULES-Projekt. Hatten früher Standorte ihren eigenen IT-Beauftragten, eigene IT-Dienstleister und die Software schon mal selbst installiert, läuft heute alles zentral. Das reduziert die Kosten, vereinfacht die Wartung und erhöht die Sicherheit.

Anders als früher gibt es bei Problemen eine zentrale Anlaufstelle, den User Help Desk. Heute  ist es möglich, der Bundeswehr quasi auf Knopfdruck mitzuteilen, was der Betrieb der Bundeswehr IT kostet, wie zufrieden die Nutzer sind und wo es technische Probleme gibt. Vor HERKULES war das nur mit Schätzungen und hohem Aufwand möglich.

Fakt 3:

Die Bundeswehr-IT wurde innerhalb der Vertragslaufzeit vollständig modernisiert

Es war eine Herkulesaufgabe, aber es ist geschafft: Fast alle Bundeswehrangehörigen arbeiten heute mit moderner und einheitlicher Informations- und Kommunikationstechnologie. Der Rollout der neuen Geräte und die Ertüchtigung der Netze konnte binnen fünfeinhalb Jahren abgeschlossen werden.

Insgesamt hat der vollständige Rollout etwa 18 Monate länger gedauert als ursprünglich vorgesehen. Auch hier ist der Grund, dass niemand den Modernisierungsaufwand in aktuell 1.200 Liegenschaften und die Zahl der zu modernisierenden Geräte vor Vertragsbeginn genau überblicken konnte.

Für die Umsetzung einer der größten öffentlich-privaten Partnerschaften (ÖPP) in Europa musste zudem erst ein eigenes Projektmanagementsystem geschaffen werden. Seit Mitte 2012 ist der Zielbetrieb – der Betrieb einer einheitlichen Plattform – erreicht.

Fakt 4:

Die Bundeswehr-Anwender sind mit der IT zufrieden

Regelmäßige Umfragen unter den Anwendern bei der Bundeswehr und eine Auszeichnung bestätigen: Die Nutzerzufriedenheit ist seit Beginn von HERKULES deutlich gestiegen – und wird seit 2007 überhaupt erst erhoben. 

Der zentrale User Help Desk (UHD) der BWI, erster Ansprechpartner für die Bundeswehr-Anwender, erhält regelmäßig sehr gute Noten. 2012 wurde der UHD in Mainz mit dem Service Desk Award des 16. IIR Technology Service Desk Forums ausgezeichnet.

Die Juroren lobten dabei besonders die hohe Kundenzufriedenheit sowie die regelmäßigen Weiterbildungsprogramme für BWI-Mitarbeiter. Die BWI positioniert sich so auch als attraktiver Arbeitgeber.

Fakt 5:

Die Computertechnik der Bundeswehr ist sicherer denn je

Die Informations- und Telekommunikationstechnologie (ITK) der Bundeswehr wurde nach neuesten Standards gesichert und seit Beginn des HERKULES-Projekts konstant auf hohem  Niveau gehalten. 

Die Bundeswehr verfügt seit der Inbetriebnahme des neuen und leistungsfähigen WANBw durch die BWI im Gegensatz zu den Vorgängernetzen erstmals über eine lückenlose Ende-zu-Ende- Verschlüsselung im Weitverkehrsnetz. Der Datenverkehr und die Datenspiegelung zwischen den Rechenzentren werden mit BSI-zugelassenen Produkten verschlüsselt, alle Endgeräte im Netzwerk müssen sich identifizieren und authentifizieren.

Die 140.000 HERKULES-PCs haben ein skalierbares Schnittstellenmanagement, zusätzliche Hardware-Firewallsysteme sind eingerichtet, Nutzerdaten im zentralen Fileservice sind verschlüsselt und eine einheitliche und sichere Zugriffslösung (Remote Access Service) mit BSI-zugelassenen Produkten ist eingeführt.

Fakt 6:

Das IT-Projekt der Bundeswehr zeigt: ÖPP funktioniert auch in großen Dimensionen

Heute arbeiten die Bundeswehrangehörigen in 1.200 Liegenschaften mit neuen Technologien vom Telefon über den PC bis zur SAP-Anwendung.

Im Hintergrund ist der User Help Desk erster Ansprechpartner der Anwender. Betriebsstörungen werden umgehend und innerhalb fester Service Level Agreements (SLA) behoben. Erstmals sind sämtliche ITK-Prozesse, von der Organisation über die Kosten bis hin zum Service klar messbar.

Das ist Transparenz im Sinne des Steuerzahlers. Als öffentlich-privates Unternehmen ist die BWI während der Restlaufzeit des Vertrags stark daran interessiert, die Prozesse weiter zu verbessern und den IT-Betrieb fortlaufend zu optimieren. IT gestalten, nicht verwalten.

Fakt 7:

Die BWI entlastet die Bundeswehr

800 Soldaten konnten bereits nach 18 Monaten für militärische Aufgaben freigesetzt werden. Die Bundeswehr kann sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Die BWI und HERKULES entlasten die Bundeswehr von Aufgaben beim Management des IT-Systems. Bereits 18 Monate nach Start des Projekts standen rund 800 Soldaten – die vormals mit Aufgaben im IT-Bereich befasst waren – der Bundeswehr für militärische Kernaufgaben wieder zur Verfügung.

Durch das zentrale Management des IT-Systems konnten in den letzten Jahren zudem mehrere Tausend Soldaten von IT-Aufgaben entlastet werden, die sie in Nebenfunktion erbrachten. So sieht eine erfolgreiche Konzentration auf zentrale Aufgaben aus: Der Dienstleister erbringt unterstützende IT-Leistungen und der Auftraggeber kann sich auf sein „militärisches Kerngeschäft“ konzentrieren.

Ausblick

IT-Projekt HERKULES: Das Beste zweier Welten

2016 endet die Partnerschaft zwischen IBM, Siemens und Bundeswehr. Das Ziel von HERKULES ist schon heute erreicht: Die Bundeswehrangehörigen können sich deutschlandweit auf standardisierte Prozesse verlassen. Als strategischer Partner für Informations- und Kommunikationstechnik betreibt der BWI Leistungsverbund auch über 2016 hinaus das System weiter.

Denn die Aufgaben bleiben: Die BWI stellt den Support sicher, hält die ITK auf dem neuesten Stand und betreibt die IT-Verfahren und Anwendungen in ihren Rechenzentren. Dabei profitiert jeder Bundeswehr-Anwender von der einzigartigen Expertise der rund 2.800 BWI-Mitarbeiter. Ihr Wissen um die Anforderungen der Truppe sowie die IT-Infrastruktur und Prozesse ist unersetzlich – und ein wichtiger Baustein für eine zuverlässige, zukunftsfähige Bundeswehr-IT.